Vergessen Sie alles, was Sie bisher über Knabstrupper gehört oder gelesen haben! Es gibt wohl kaum eine Rasse, über die so viele Halb- oder auch Unwahrheiten verbreitet wurden wie über die Knabstrupper.

hist1Die Knabstrupper stammen weder von einer Stute ab, die eigentlich hätte geschlachtet werden sollen, noch sind sie Kaltblüter wie die getigerten Pinzgauer oder typische Westernpferde wie die getigerten Appaloosas. Die Knabstrupper sind vielmehr eine Farbvariante der einst weltberühmten dänischen Frederiksborger, die typ- und blutmäßig auf dem dänischen Gut Knabstrup weitergezüchtet wurden und daher ihren Namen erhielten.  Was aber macht nun einen Knabstrupper aus? Das ist auf den ersten Blick natürlich die Tigerscheckenfärbung, wobei man zwischen 5 Grundvarianten unterscheidet. Das Weiß der Tigerschecken basiert auf komplizierten genetischen Anlagen, aber man kann es sich vereinfacht als einen weißen ,,Mantel“ oder als weiße ,,Decke“ vorstellen, die über ein Pferd beliebiger Farbe gezogen ist. Befinden sich Löcher in diesem Mantel. so sieht man die darunter liegende Farbe als Flecken. So entstehen die 5 Varianten:

1. der Volltiger: Nehmen wir an, die Grundfarbe eines Volltigers wäre braun, 4 x schwarz bestiefelt. Dann wären über den ganzen Körper braune Flecken verteilt, während die Flecken an den Beinen schwarz wären sowie auch schwarze Streifen in Mähne und Schweif vorhanden sein könnten.

2. der Weißgeborene: Bei einigen Tieren sind die Gene, hist2die den ,,Mantel“ vererben, so  stark, daß der Mantel keine Löcher (= Flecken) hat. Das Pferd ist dann ganz weiß und wird – im Gegensatz zum Schimmel – auch bereits weiß geboren. Nach dem amerikanischen Forscher Schwink sind die Pferde Homozygoten, d.h. starke Vererber.

3. der Schabracktiger: Ist die Erbmasse weniger stark, so ist der Mantel nicht vollständig und liegt dann meistens nur über der Kruppe, während der vordere Teil des Pferdes einfarbig ist. Die Decke über der Kruppe kann wie beim Volltiger durchlöchert sein oder lückenlos wie beim Weißgeborenen.

4. der Schneeflockentiger: Es kommen Pferde vor, bei denen nur Fragmente des ,,Mantels“ übriggeblieben sind. Diese verteilen sich über den Körper als weiße Flecken auf der Grundfarbe.

5. der Einfarbige: Es können auchTiere ohne jegliche Spur eines ,,Mantels“ vorkommen. Diese können die Tigerscheckengenetik rezessiv in sich tragen. Alle anderen Variationen haben keine direkte Verbindung zur Vererbung der Tigerscheckengenetik. Um uns ein besseres Bild von dem ursprünglichen Knabstrupper machen zu können, müssen wir uns ein wenig mit seiner Geschichte beschäftigen.

Die konsequente Zucht von Tigerschecken in Dänemark begann mit dem königlichen Gestüt Frederiksborg, das 1536 gegründet wurde, nachdem viele kirchliche Gestüte durch die Reformation in den Besitz des Königs gefallen waren. Dort verwandte man hist3Pferde, die entweder direkt aus Spanien importiert wurden oder spanischen Blutlinien entstammten. Diese Pferde entsprachen den damaligen Anforderungen an ein Kriegspferd am besten, da sie durch eine Ausbildung bis zur Hohen Schule im Nahkampf am rittigsten  waren,  nachdem  die Schlachtrösser der Ritter durch die Erfindung von Schießwaffen verdrängt worden waren. In ganz Europa entstanden zu dieser Zeit Reitakademien, wo die Fürsten und Adeligen ihre Pferde bis zur höchsten Vollendung ausbildeten. Entsprechend  erblühten  auch  die Gestüte zur Zucht solcher Pferde. Frederiksborg war bald eine der führenden Zuchten in Europa und wurde Mitbegründer anderer bekannter Zuchten, wie z.B. Lipizza, Cordoba, Oldenburg und Hannover.   Die Tigerschecken erlebten ihren Höhepunkt in der Barocke, da sie bestens dazu geeignet waren, die Lebenslust und Farbenfreude der barocken  Fürsten  darzustellen. Schon damals war es etwas Besonderes, einen Tigerschecken zu besitzen! Trotz aller Zuchtbemühungen in ganz Europa aber blieben die Tigerschecken eine kostbare Seltenheit, da die Züchter damals häufig weiß mit weiß verwechselten und so ein genetisches  Chaos schufen, wodurch die meisten Zuchtversuche scheiterten.  In  Dänemark  aber gelang es, einen Tigerscheckenstamm zu schaffen, der durch Reinzucht  bald  weißgeboren  wurde (siehe Farberklärung). Pferde aus diesem Stamm gehörten zu den begehrtesten in Europa; sie wurden nicht nur vor die goldenen Kutschen gespannt, sondern waren auch häufig  die  Lieblingsreitpferde  der Könige und Kaiser und trugen diese zu ihren Krönungen.

Den Todesstoß erhielten die barokken Pferderassen, und damit auch die Frederiksborger, durch Napoleon, der einfache Bürger und Bauern als Soldaten rekrutierte. Die geringen Reitkenntnisse dieser Soldaten verlangten nach Massen von geradeauslaufenden, einfarbigen Pferden. Den Kampf von Mann zu Mann gab es nicht mehr unddie Reitkunst der Hohen Schule wurde zu einem Freizeitvergnügen für Fürsten und Gentlemen.

Neben dem großen königlichen Gestüt Frederiksborg gab es aber auch private Züchter, die auch Tiere aus dem königlichen Gestüt aufkauften. 1798 gelangten so einige Stuten von Frederiksborg in den Besitz von Major Villars Lunn nach Knabstrup. Sein Sohn W. Lunn schreibt 1855 über diesen Mann, der der Gründer der Knabstrupperzucht wurde: Mein Vater war kein Erneuerer, sondern ein Bewahrer des alten Typs und versuchte immer, solche Stuten zu kaufen, die in seinen Stamm hineinpaßten.

In diesem Sinne kaufte Villars Lunn auch bei einem Pferdehändler und Schlachter namens Flaebe eine getigerte Stute, die als

Dieses Bild stammt aus dem Deckengemälde der Kirche in Skibby auf Seeland in Dänemark es stammt aus dem Jahre 1065 und zeigt die Lebensfreude 3 junger Könige mit tigergescheckten Pferden, Jagdhunden und Falken.

Dieses Bild stammt aus dem Deckengemälde der Kirche in Skibby auf Seeland in Dänemark es stammt aus dem Jahre 1065 und zeigt die Lebensfreude 3 junger Könige mit tigergescheckten Pferden, Jagdhunden und Falken.

Flaebestute in die Geschichte einging. Die Stute war ihm durch ihre besondere Leistungsfähigkeit  aufgefallen.  1813 bekam die Stute von dem Lövenborger Hengst Baeveren ein Fohlen, den ,,Flaebehengst, durch den in Dänemark wieder Tigerschecken in größerer Anzahl geboren wurden. Der Flaebehengst war rein spanisch gezogen, seine Mutter war mit den spanischen Truppen Napoleons nach Dänemark gekommen und auch sein Vater war spanischer Abstammung.

An  einem  Sommerabend  1891 schlug während eines Unwetters der Blitz auf Gut Knabstrup ein und 22 Zuchttiere starben in den Flammen. So erlosch die Tigerscheckenzucht auf Gut Knabstrup. Die damals fast 100-jährige  Zuchtgeschichte  des Gutes hatte aber solche Spuren hinterlassen, daß 1952 vom Landgerichtsanwalt Ledager mit wenigen Nachkommen wieder ein Knabstruppergestüt gegründet werden konnte. Aber erst 1972 wurde in Dänemark ein landesdeckender Verband für die Knabstrupperzucht gegründet. Die Rasse besteht deshalb auch heutzutage nur noch aus wenigen hundert Zuchttieren, in denen sich die genetischen Überreste der getigerten Pferde  aus  Dänemark  erhalten haben. In Dänemark versucht man heute auf dieser Basis ein Reitpferd zu züchten, daß den Anforderungen an ein modernes Sportpferd gerecht werden soll. Die meisten der alten Blutlinien wurden aufgelöst oder verkauft, vorwiegend nach Deutschland. Die Interessengemeinschaft Knabstrupper Deutschland hat deshalb ein Zuchtprogramm  entwickelt,  daß sowohl dem Sporttyp als auch dem barocken Typ des Knabstruppers eine züchterische Basis gibt. Verschiedene dänische Hippologen wie auch der dänische Verein zur Erhaltung alter Haustierrassen haben die Hoffnung geäußert, daß es den deutschen Züchtern gelingen möge, dieses alte dänische Kulturgut zu erhalten.